Envi­ron­ment

Nitrat­kla­ge: DUH schei­tert mit Vollstreckungsantrag

By 23. April 2026No Comm­ents

Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 08/2026

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit Urteil vom 08.10.2025 auf eine Kla­ge der Deut­schen Umwelt­hil­fe (DUH) ver­pflich­tet, ein von der Dün­ge­ver­ord­nung getrenn­tes natio­na­les Akti­ons­pro­gramm für nach der Nitra­t­richt­li­nie 91/676/EWG zu erlas­sen, weil die bis­he­ri­ge Pra­xis, die Dün­ge­ver­ord­nung als Teil die­ses Akti­ons­pro­gramms zu betrach­ten, den Vor­ga­ben des deut­schen Dün­ge­ge­set­zes nicht ent­spre­che (Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 16/2025). Mit rechts­kräf­ti­gem Beschluss vom 22.04.2026 hat das nord­rhein-west­fä­li­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter einen Antrag der DUH auf Voll­stre­ckung die­ses Urteils als unbe­grün­det abgelehnt.

Mit dem Voll­stre­ckungs­an­trag woll­te die DUH errei­chen, dass der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Frist zur Umset­zung des Urteils vom 08.10.2025 gesetzt und für den Fall der Frist­ver­säu­mung ein Zwangs­geld in Höhe von 10.000 Euro ange­droht wird. Die DUH hat­te die­sen Antrag im Febru­ar 2026 medi­en­wirk­sam ein­ge­reicht und in ihren dies­be­züg­li­chen öffent­li­chen Ver­laut­ba­run­gen mit der Kri­tik an einem aktu­el­len Ent­wurf des Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zur Ände­rung des Dün­ge­ge­set­zes ver­bun­den. In dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren spiel­te die geplan­te Ände­rung des Dün­ge­ge­set­zes jedoch kei­ne Rol­le, weil sie unab­hän­gig von der gebo­te­nen Umset­zung des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zum natio­na­len Akti­ons­pro­gramm ist. Ent­schei­dend für die Begrün­det­heit des Voll­stre­ckungs­an­trags war allein, ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ihrer Pflicht zur Umset­zung des Urteils vom 08.10.2025 bis­lang grund­los nicht nach­ge­kom­men ist.

Eine sol­che grund­lo­se Säum­nis liegt nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter nicht vor. Damit ist das Gericht der Argu­men­ta­ti­on des von okl & part­ner ver­tre­te­nen Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums gefolgt. 

Ins­be­son­de­re muss der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nach der Ent­schei­dung ein Zeit­rah­men für die Umset­zung ein­ge­räumt wer­den, der dem (kom­ple­xen) gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Ver­fah­ren für den Erlass eines natio­na­len Akti­ons­pro­gramms und den sach­li­chen Anfor­de­run­gen an ein sol­ches Pro­gramm ange­mes­sen Rech­nung trägt. 

Die­se Umset­zungs­frist begann nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts erst mit Bekannt­ga­be der schrift­li­chen Urteils­grün­de des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Dezem­ber 2025, weil die Bun­des­re­pu­blik im Urteil vom 08.10.2025 aus­drück­lich dazu ver­pflich­tet wur­de, das neue Nitrat­pro­gramm unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu erlas­sen. Damit konn­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erst mit der Bekannt­ga­be der voll­stän­di­gen Urteils­grün­de erken­nen, wel­ches Han­deln ihr kon­kret abver­langt wird. Der Argu­men­ta­ti­on der DUH, die den Beginn der Umset­zungs­frist im Hin­blick auf die münd­li­che Urteils­be­grün­dung und eine anschlie­ßen­de Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vor­ver­le­gen woll­te, ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt somit nicht gefolgt. 

Auch die Kri­tik der DUH an dem von dem Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um im Ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Zeit­plan zur Umset­zung des Urteils ver­moch­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zu tei­len. Die­ser ent­hal­te viel­mehr ange­mes­se­ne Zeit­räu­me zur inhalt­li­chen Bear­bei­tung. Es sei nicht erkenn­bar, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Umset­zung des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­wei­ge­re oder grund­lo­se verzögere.

Da ein Rechts­mit­tel gegen die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht gege­ben ist, ist die Ableh­nung des Voll­stre­ckungs­an­trags der DUH rechtskräftig.

Das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um wur­de in dem Ver­fah­ren von unse­ren Rechts­an­wäl­ten Dr. Ortrud Kracht, Dr. Anno Oex­le und Tho­mas Lam­mers vertreten.

23. April 2026

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