CIR­CU­LAR ECONOMY

Kom­mis­si­on ver­öf­fent­licht Leit­li­ni­en und FAQs zur PPWR

By 1. April 2026No Comm­ents

Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 06/2026

Ab dem 12.08.2026 wird die EU-Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung (Pack­a­ging and Pack­a­ging Was­te Regu­la­ti­on – PPWR) gel­ten. Vie­le Fra­gen zur prak­ti­schen Anwen­dung der PPWR sind der­zeit noch offen – die Leit­li­ni­en und die FAQs der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 30.03.2026 brin­gen etwas mehr Klar­heit. Die zahl­rei­chen Ein­zel­kom­men­tie­run­gen in den bei­den Hand­rei­chun­gen bele­gen aber auch: Betrof­fe­ne Unter­neh­men kön­nen PPWR-Com­pli­ance nur durch eine Bewer­tung ihres kon­kre­ten Ein­zel­falls gewähr­leis­ten in die­sem Rechts­be­reich, der sich (so die Kom­mis­si­on) durch „Neu­ar­tig­keit und Kom­ple­xi­tät“ auszeichnet.

Die Umset­zungs­ma­schi­ne­rie läuft bei allen Betei­lig­ten der­zeit auf Hoch­tou­ren. Immer mehr Unter­neh­men haben erkannt, dass die PPWR kein Nischen­the­ma der Ver­pa­ckungs­in­dus­trie ist, son­dern alle Unter­neh­men betrifft, die ihre Pro­duk­te in Ver­pa­ckun­gen ver­trei­ben. Die Kom­mis­si­on erar­bei­tet der­weil die zahl­rei­chen Ter­ti­är­rechts­ak­te, die die Vor­ga­ben der PPWR erst kon­kret anwend­bar machen. Das betrifft unter ande­rem die har­mo­ni­sier­ten Regis­trie­rungs- und Bericht­erstat­tungs­for­ma­te für die erwei­ter­te Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung, die Kenn­zeich­nung für die Abfall­sor­tie­rung durch die Ver­brau­cher, den Rezy­klat­ge­halt in Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen oder die Kri­te­ri­en für die Recyclingfähigkeit.

Die Leit­li­ni­en und die FAQs

Die Kom­mis­si­on hat nun mit den Leit­li­ni­en und den FAQs zwei jeweils knapp 60seitige Doku­men­te vor­ge­legt, in der sie ihre Recht­an­sich­ten zur PPWR als Voll­zugs­hil­fe dar­legt. Im Rah­men der jewei­li­gen Kapi­tel (etwa „Defi­ni­ti­on von Ver­pa­ckung“, „Pfand- und Rück­nah­me­sys­te­me“ usw.) wer­den vie­le dut­zend Ein­zel­aspek­te beleuchtet.

Wäh­rend die Leit­li­ni­en dabei ten­den­zi­ell auf die gene­rell-abs­trak­te Aus­le­gung bestimm­ter PPWR-Vor­schrif­ten abzie­len, fol­gen die FAQs eher einem fall­ori­en­tier­ten Ansatz, in dem mehr oder min­der kon­kre­te Fra­gen beant­wor­tet wer­den. Prak­tisch betrach­tet wird man aber bei­de Doku­men­te her­an­zie­hen müs­sen, wenn man die Auf­fas­sung der Kom­mis­si­on etwa zum Kom­plex „Mini­mie­rung von Ver­pa­ckun­gen“ ver­ste­hen möch­te. 

Die Leit­li­ni­en und die FAQs lie­gen der­zeit nur in eng­li­scher Spra­che vor. Die Kom­mis­si­on wird die Leit­li­ni­en noch förm­lich anneh­men, sobald sie in allen Sprach­fas­sun­gen vor­lie­gen. Dabei ist das mit der Auf­tei­lung in Leit­li­ni­en und FAQs zwei­glei­si­ge Design von der Kom­mis­si­on offen­bar unter dem Gesichts­punk zukünf­ti­ger Anpas­sung gewählt wor­den: Die FAQs sol­len regel­mä­ßig aktua­li­siert wer­den. Dies ist zu begrü­ßen mit Blick dar­auf, dass sich in der lau­fen­den Umset­zung immer neue prak­ti­sche Zwei­fels­fra­gen erge­ben wer­den, nicht zuletzt mit Blick auf die noch aus­ste­hen­den Ter­ti­är­rechts­ak­te der Kom­mis­si­on zur Kon­kre­ti­sie­rung der PPWR.

Kei­ne Rechts­ver­bind­lich­keit, aber hohe prak­ti­sche Relevanz

Recht­lich ver­bind­lich sind weder die Leit­li­ni­en noch die FAQs: Eine bin­den­de Aus­le­gung der PPWR-Vor­schrif­ten steht nur dem Euro­päi­schen Gerichts­hof zu. Die Leit­li­ni­en und die FAQs brin­gen damit – for­mal betrach­tet – ledig­lich die Rechts­an­sicht der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zur PPWR zum Ausdruck.

In der Pra­xis kom­men Leit­li­ni­en und FAQs aller­dings hohe Bedeu­tung zu, wie ver­gleich­ba­re Hand­rei­chun­gen der Kom­mis­si­on etwa zu Ein­zel­fra­gen der Abfall­rah­men­richt­li­nie bele­gen. Die Rechts­auf­fas­sung der Kom­mis­si­on wird ins­be­son­de­re von den Ver­wal­tun­gen der Mit­glied­staa­ten grund­sätz­lich zugrun­de gelegt. Aber auch bei Ver­trags­schlüs­sen zwi­schen Wirt­schafts­ak­teu­ren zur Gewähr­leis­tung der jewei­li­gen PPWR-Com­pli­ance wer­den erfah­rungs­ge­mäß die Leit­li­ni­en und FAQs als Kon­kre­ti­sie­rung der PPWR her­an­ge­zo­gen werden.

Von Recy­cling­fä­hig­keit und Wie­der­ver­wen­dung 

Eini­ge Bei­spie­le sol­len ver­deut­li­chen, wel­che prak­ti­sche Rele­vanz die Doku­men­te der Kom­mis­si­on entfalten.

Für Unsi­cher­heit hat etwa gesorgt, dass bereits ab dem 12.08.2026 alle in Ver­kehr gebrach­ten Ver­pa­ckun­gen recy­cling­fä­hig sein müs­sen, die Detail­vor­ga­ben an die Recy­cling­fä­hig­keit sich aber erst aus einem noch zu erlas­sen­den Ter­ti­är­rechts­akt erge­ben wer­den (Art. 6 Abs. 1, Abs. 2 UAbs. 1 Buch­sta­be a, Abs. 4 PPWR). Die Kom­mis­si­on gibt nun klar­stel­len­de Ent­war­nung: Solan­ge noch kein anwend­ba­res Ter­ti­är­recht vor­liegt, müs­sen Erzeu­ger kein Kon­for­mi­täts­be­wer­tungs­ver­fah­ren nach Art. 38 PPWR durch­füh­ren. Die Ver­pa­ckun­gen müs­sen ab dem 12.08.2026 daher ledig­lich den Anfor­de­run­gen der bis­he­ri­gen Ver­pa­ckungs­richt­li­nie und der har­mo­ni­sier­ten Norm EN 13430:2004 (Ver­pa­ckung — Anfor­de­run­gen an Ver­pa­ckun­gen für die stoff­li­che Ver­wer­tung) entsprechen.

Zu einem wei­te­ren Rechts­kom­plex der PPWR: Eine Rei­he von Aus­füh­run­gen der Kom­mis­si­on in den Leit­li­ni­en und in den FAQs bezie­hen sich auf die Zie­le der Wie­der­ver­wen­dung von Ver­pa­ckun­gen, die Art. 29 PPWR vor­gibt. Dar­in spie­gelt sich wider, dass die­se Wie­der­ver­wen­dungs­zie­le auch nach dem Inkraft­tre­ten der PPWR in beson­de­rem Maße Gegen­stand der recht­lich-poli­ti­schen Debat­ten um das Ver­pa­ckungs­recht geblie­ben sind. So stüt­zen sich die gegen die PPWR erho­be­nen und der­zeit beim Gericht der Euro­päi­schen Uni­on anhän­gi­gen Nich­tig­keits­kla­gen viel­fach auf eine behaup­tet pri­mär­rechts­ver­let­zen­de (vor allem unver­hält­nis­mä­ßi­ge) Aus­ge­stal­tung der Wie­der­ver­wen­dungs­zie­le. Zudem bemüht sich die Indus­trie mit Blick auf bestimm­te Gegen­stän­de, Son­der­re­ge­lun­gen hin­sicht­lich Art. 29 PPWR zu errei­chen (vgl. jüngst die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on, wonach Palet­ten­stretch­fo­li­en und Palet­ten­um­rei­fun­gen nicht den Wie­der­ver­wen­dungs­vor­ga­ben unterliegen).

Zu den Wie­der­ver­wen­dungs­zie­len für Ver­kaufs­ver­pa­ckun­gen, die der Beför­de­rung von Pro­duk­ten die­nen (Art. 29 Abs. 1 UAbs. 1 Satz 1 PPWR), gilt nach Ansicht der Kom­mis­si­on: Es kommt auf die beför­der­ten Pro­duk­te an, ob die kon­kre­te Ver­pa­ckung den Wie­der­ver­wen­dungs­zie­len unter­liegt. Ist die Wie­der­ver­wen­dung der Ver­pa­ckung wegen des Ver­pa­ckungs­in­halts jeden­falls nur unter unver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten mög­lich, ent­fal­len die Wie­der­ver­wen­dungs­zie­le. Mit Far­ben oder Che­mi­ka­li­en gefüll­te Plas­tik­ei­mer müs­sen daher nicht wie­der­ver­wen­det wer­den, wenn die Wie­der­ver­wen­dung einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­satz von Was­ser oder Ener­gie erfor­dern würde.

Fazit

Die Leit­li­ni­en und die FAQs sind eine wich­ti­ge Kon­kre­ti­sie­rung der PPWR.

Bei­de Doku­men­te bele­gen aller­dings auch, wie vie­le Fra­gen weni­ge Mona­te vor dem Gel­tungs­be­ginn der PPWR noch offen sind – und auch die zahl­rei­chen Leer­stel­len, mit denen sich die Rechts­un­ter­wor­fe­nen kon­fron­tiert sehen. Das Design der PPWR wirkt somit noch auf Jah­re fort: Die PPWR ist eine EU-Ver­ord­nung, die zwar unmit­tel­bar gilt, aber in viel­fa­cher Hin­sicht nicht unmit­tel­bar anwend­bar ist, weil es an den kon­kre­ti­sie­ren­den Vor­ga­ben fehlt. Solan­ge die­se (über­wie­gend durch Ter­ti­är­recht der Kom­mis­si­on zu schaf­fen­den) Kon­kre­ti­sie­run­gen nicht vor­lie­gen, geht der für die Wirt­schaft her­aus­for­dern­de Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess wei­ter: Eini­ge Nor­men der PPWR wer­den ab dem 12.08.2026 unmit­tel­bar anwend­bar sein, bei den meis­ten Nor­men wird Klar­heit hin­ge­gen erst herr­schen, wenn das jewei­li­ge Ter­ti­är­recht vorliegt.

okl & partner
Rechts­an­wäl­te PartG mbB

Büro Köln
Von-Werth-Stra­ße 2 | 50670 Köln
T: +49 (0) 221 | 42 07 –0


Büro Ber­lin
Jäger­stra­ße 54 – 55 | 10117 Berlin
T: +49 (0) 30 | 25 77 112 – 0