CIR­CU­LAR ECONOMY

EU-Kom­mis­si­on ver­öf­fent­licht Schritt-für-Schritt-Anlei­tung zur Nut­zung des DIWASS für Anhang VII-Dokumente

By 18. Octo­ber 2026No Comm­ents

Seit dem 21.05.2026 gilt die novel­lier­te Abfall­ver­brin­gungs­ver­ord­nung (EU) 2024/1157. Seit die­sem Tag müs­sen alle für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung erfor­der­li­chen Doku­men­te über das neu geschaf­fe­ne Digi­tal Was­te Ship­ment Sys­tem (kurz: DIWASS) elek­tro­nisch erstellt, über­mit­telt und aus­ge­tauscht wer­den. Im Hin­blick auf nicht noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Ver­brin­gun­gen, die nach dem Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157 durch­ge­führt wer­den („Grü­ne Lis­te“), dul­den die Voll­zugs­be­hör­den aller­dings noch bis zum 31.12.2026 die Füh­rung und Mit­füh­rung des Anhang VII-Doku­ments in Papier­form. Ab dem 01.01.2027 ist jedoch, soll­te es kei­ne Ver­län­ge­rung der Dul­dung geben, auch inso­fern aus­schließ­lich DIWASS zu nut­zen. Um den betrof­fe­nen Wirt­schafts­ak­teu­ren den prak­ti­schen Umgang mit DIWASS zu erleich­tern, hat die Kom­mis­si­on jüngst eine Anlei­tung für die Erstel­lung, das Aus­fül­len und das Über­mit­teln des elek­tro­ni­schen Anhang VII-Doku­ments veröffentlicht.

Die Ver­ord­nung (EU) 2024/1157 hat die bis­he­ri­ge Ver­ord­nung (EG) Nr. 1013/2006 zum 21.05.2026 als zen­tra­le Rege­lung der grenz­über­schrei­ten­den Abfall­ver­brin­gung in wei­ten Tei­len abgelöst.

Eine gegen­über der VO (EG) Nr. 1013/2006 wesent­li­che Neue­rung der VO (EU) 2024/1157 besteht in der Ein­füh­rung eines elek­tro­ni­schen Ver­fah­rens für den Aus­tausch sämt­li­cher für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung rele­van­ten Doku­men­te und Infor­ma­tio­nen zwi­schen Behör­den und den an einer Ver­brin­gung betei­lig­ten Wirtschaftsakteuren.

Seit dem 21.05.2026 müs­sen grund­sätz­lich sämt­li­che für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung rele­van­te Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te – dies gilt für das Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren gemäß Art. 5 ff. VO (EU) 2024/1157 und das Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157 („Grü­ne Liste“-Verfahren) glei­cher­ma­ßen – elek­tro­nisch über DIWASS erstellt, über­mit­telt und aus­ge­tauscht werden.

Wäh­rend für noti­fi­zie­rungs­be­dürf­ti­ge Abfall­ver­brin­gun­gen seit dem 21.05.2026 aus­nahms­los DIWASS zu nut­zen ist, wird die­se Rechts­pflicht im Hin­blick auf Abfall­ver­brin­gun­gen, die nach dem Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157 durch­ge­führt wer­den, sei­tens der mit­glied­staat­li­chen Voll­zugs­be­hör­den der­zeit bekannt­lich (noch) nicht durch­ge­setzt. Viel­mehr wird wäh­rend eines Über­gangs­zeit­raums von einer Sank­tio­nie­rung abge­se­hen, wenn das Anhang-VII-Doku­ment wei­ter­hin in Papier­form geführt und wäh­rend des Trans­ports mit­ge­führt wird. Die­ser Über­gangs­zeit­raum endet am 31.12.2026 und wird nach der­zei­ti­gem Stand auch nicht ver­län­gert. 

Ab dem 01.01.2027 ist daher das Anhang-VII-Doku­ment für Abfall­ver­brin­gun­gen nach Art. 18 VO (EU) 2024/1157 zwin­gend elek­tro­nisch über DIWASS zu erstel­len und zu übermitteln.

In die­sem Zusam­men­hang hat die Kom­mis­si­on jüngst eine hilf­rei­che Anlei­tung ver­öf­fent­licht, die den betrof­fe­nen Wirt­schafts­ak­teu­ren die inso­weit im DIWASS vor­zu­neh­men­den Hand­lun­gen und Ver­fah­rens­ab­läu­fe Schritt für Schritt anhand von Hin­wei­sen, spe­zi­fi­schen Aus­füll­an­wei­sun­gen und Screen­shots der Benut­zer­ober­flä­che erläu­tert. 

Über ihre Funk­ti­on als Hil­fe­stel­lung für die Pra­xis hin­aus bie­tet die Anlei­tung einen wei­te­ren wesent­li­chen Mehr­wert: Sie gewährt erst­mals einen kon­kre­ten Ein­blick in die elek­tro­ni­sche Aus­ge­stal­tung des Anhang VII-Ver­fah­rens im DIWASS. Ins­be­son­de­re wird ersicht­lich, wie die ein­zel­nen Fel­der des Doku­ments nach Anhang VII elek­tro­nisch aus­zu­fül­len sind, wer die jeweils ein­ge­tra­ge­nen Infor­ma­tio­nen ein­se­hen kann und ob bzw. in wel­chem Umfang inso­weit tech­ni­sche Beschrän­kun­gen hin­ter­legt wurden.

So fin­det sich dar­in bei­spiels­wei­se der aus­drück­li­che Hin­weis, dass jeden­falls DIWASS die Ein­rei­chung eines Anhang-VII-Doku­ments nicht ver­hin­dert, wenn der in Feld 1 des Doku­ments ein­zu­tra­gen­de Ver­an­las­ser der Ver­brin­gung nicht über einen „ein­ge­tra­ge­nen Sitz“ im Ver­sand­staat ver­fügt. 

Dies ist ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund zu begrü­ßen, dass mit der Novel­lie­rung der Abfall­ver­brin­gungs­ver­ord­nung der seit bei­na­he zwei Jahr­zenten schwe­len­de Streit um die soge­nann­te – nach hier ver­tre­te­ner Ansicht mit den euro­päi­schen Grund­frei­hei­ten unver­ein­ba­re – „Sitz­theo­rie“, also die Fra­ge, ob der Ver­an­las­ser einer Ver­brin­gung zwin­gend über einen Geschäfts­sitz im Ver­sand­staat ver­fü­gen muss, wie­der in den Vor­der­grund gerückt ist. 

Zu berück­sich­ti­gen ist inso­fern aller­dings, dass das Anhang VII-Doku­ment den zustän­di­gen Behör­den bereits zwei Tage vor Beginn der Ver­brin­gung über das DIWASS zu über­mit­teln ist. Den Voll­zugs­be­hör­den ver­bleibt damit – sofern sie der „Sitz­theo­rie“ fol­gen – jeden­falls die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, eine geplan­te Ver­brin­gung durch behörd­li­che Anord­nung zu unter­sa­gen, falls dabei dem (ver­meint­li­chen) Sitzer­for­der­nis nicht ent­spro­chen wird.

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