PLANUNG

Netz­aus­bau: Neue Vor­schrif­ten für das ener­gie­wirt­schafts­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zum 02. April 2026 in Kraft getreten

By 22. April 2026No Comments

Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 07/2026

Das zu Beginn des Monats in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Beschleu­ni­gung der Ver­füg­bar­keit von Was­ser­stoff und zur Ände­rung wei­te­rer recht­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen für den Was­ser­stoff­hoch­lauf und wei­te­rer ener­gie­recht­li­cher Vor­schrif­ten (BGBl. I 2026, Nr. 84) führt zu eini­gen Neue­run­gen auch im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens­recht für den Strom­netz­aus­bau. Mit der Novel­le des § 43a Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG) treibt der Gesetz­ge­ber die Ver­schlan­kung und Digi­ta­li­sie­rung des ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens wie zugleich die Ver­ein­heit­li­chung des Fach­pla­nungs­rechts in den ver­schie­de­nen Infra­struk­tur­sek­to­ren vor­an. Gesetz­ge­bungs­tech­nisch erscheint es kon­se­quent, dass nach dem aktu­el­len Ent­wurf des Infra­struk­tur-Zukunfts­ge­setz (InfZuG) die Über­füh­rung der struk­tu­rell ein­heit­li­chen Fort­ent­wick­lun­gen in den sek­to­ra­len Fach­ge­set­zen in ein neu gefass­tes all­ge­mei­nes Plan­fest­stel­lungs­recht bevorsteht.

Straf­fung und wei­te­re Digi­ta­li­sie­rung der Ver­fah­rens­schrit­te 

Wäh­rend das bis­he­ri­ge Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens­recht für den Aus­bau von Hoch- und Höchst­span­nungs­lei­tun­gen nach zuletzt im Jahr 2023 erfolg­ten Novel­len des EnWG und des VwVfG bereits eine teil­wei­se Digi­ta­li­sie­rung erfah­ren hat­te (sie­he dazu unse­re Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 3/2024), erfolgt mit § 43a EnWG neue Fas­sung (n.F.) nun­mehr eine Wei­ter­ent­wick­lung hin zu einem weit­ge­hend digi­tal durch­zu­füh­ren­dem Zulas­sungs­ver­fah­ren. Antrag­stel­lung, Aus­le­gung der Plan­un­ter­la­gen, Bekannt­ma­chung, Stel­lung­nah­men und Ein­wen­dun­gen erfol­gen neu­er­dings regel­mä­ßig in einem digi­ta­len For­mat. Die Neu­re­ge­lun­gen beinhal­ten im Wesentlichen:

  • Pflicht des Vor­ha­ben­trä­gers, den Plan bei der Anhö­rungs­be­hör­de (d.h. in aller Regel der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de) aus­schließ­lich in elek­tro­ni­schem For­mat ein­zu­rei­chen; das kon­kre­te For­mat bestimmt die Anhö­rungs­be­hör­de (§§ 73 Abs. 1 VwVfG, 43a Abs. 2 u. 9 EnWG n.F.).
  • Ver­schlan­kung und Straf­fung des Pro­ce­de­res der Aus­le­gung der Plan­un­ter­la­gen: Dass die Aus­le­gung der Plan­un­ter­la­gen durch Zugäng­lich­ma­chung im Inter­net zu erfol­gen hat (und einem Betei­lig­ten ledig­lich auf des­sen Ver­lan­gen eine ande­re leicht zu errei­chen­de Zugangs­mög­lich­keit zur Ver­fü­gung zu stel­len ist), wur­de bereits durch die vor­ma­li­ge EnWG-Novel­le 2023 ein­ge­führt. An die Stel­le der bis­he­ri­gen Zustän­dig­keit der plan­be­trof­fe­nen Gemein­den für die Durch­füh­rung der Aus­le­gung (vgl. §§ 73 Abs. 2 u. 3 Satz 1 u. 2, 27b Abs. 1 VwVfG i.V.m. 43a Satz 2 u. 3 EnWG alte Fas­sung (a.F.)) tritt nun die Ver­öf­fent­li­chung der Plan­un­ter­la­gen durch die Anhö­rungs­be­hör­de auf ihrer Inter­net­sei­te. Die im Plan­fest­stel­lungs­recht ange­stamm­te Ein­bin­dung der Gemein­den in die Durch­füh­rung der Aus­le­gung ent­fällt. Eine neue Fris­ten­re­ge­lung bestimmt, dass die Zugäng­lich­ma­chung im Inter­net durch die Anhö­rungs­be­hör­de inner­halb von zwei Wochen nach Zugang des voll­stän­di­gen Plans erfol­gen muss (§ 43a Abs. 3 n.F.).
  • Bekannt­ma­chung der Aus­le­gung durch die Anhö­rungs­be­hör­de im Inter­net: An die Stel­le der orts­üb­li­chen Bekannt­ma­chung der Aus­le­gung in der Gemein­de (z.B. im Amts­blatt) und – ergän­zend („auch“) – auf der Inter­net­sei­te der Gemein­de (§§ 73 Abs. 5, 27b VwVfG) tritt neu­er­dings die Bekannt­ma­chung direkt auf der Inter­net­sei­te der Anhö­rungs­be­hör­de und zudem in einer (ört­lich ein­schlä­gi­gen) Tages­zei­tung oder – unter Berück­sich­ti­gung der ver­lang­ten Anstoß­funk­ti­on im Ermes­sen der Anhö­rungs­be­hör­de (vgl. BT-Drs. 21/2506, S. 45) – auf ande­re Wei­se (§ 43a Abs. 3 Satz 4 EnWG n.F.).
  • Elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on im Rah­men der Behör­den­be­tei­li­gung: Jeder Behör­de und jedem Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge wird der Plan elek­tro­nisch zugäng­lich gemacht. Die Stel­lung­nah­men sind gegen­über der Anhö­rungs­be­hör­de elek­tro­nisch (d.h. z.B. via E‑Mail) abzu­ge­ben. Unbe­rührt bleibt die Pflicht der Anhö­rungs­be­hör­de, für die Abga­be der Stel­lung­nah­me eine Frist zu set­zen, die drei Mona­te nicht über­schrei­ten darf (§§ 73 Abs. 2 u. 3a VwVfG, 43a Abs. 1, 4 u. 5 EnWG n.F.). 
  • Erset­zung des Schrift­form­erfor­der­nis­ses für Ein­wen­dun­gen durch elek­tro­ni­sche Ein­wen­dungs­ab­ga­be: Bis­lang war es im Rah­men des ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens nicht mög­lich, Ein­wen­dun­gen Pri­va­ter und Stel­lung­nah­men von Ver­bän­den form­wirk­sam etwa per ein­fa­cher E‑Mail zu erhe­ben. Nun­mehr ist umge­kehrt vor­ge­schrie­ben, dass Ein­wen­dun­gen und Stel­lung­nah­men zwin­gend aus­schließ­lich elek­tro­nisch (d.h. digi­tal ohne beson­de­re Form­erfor­der­nis­se wie z.B. elek­tro­ni­scher Signa­tur o.ä.) abzu­ge­ben sind. Die Anhö­rungs­be­hör­de kann aller­dings die tech­ni­sche Aus­ge­stal­tung für die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung bestim­men (§ 43a Abs. 9 EnWG n.F., z.B. Nut­zung eines Ein­wen­dungs­por­tals etc.). Alter­na­tiv besteht das Recht, die Ein­wen­dung münd­lich zur elek­tro­ni­schen Ein­ga­be bei der Anhö­rungs­be­hör­de abzu­ge­ben (§ 43a Abs. 6 EnWG n.F.).

Die neu­en Vor­schrif­ten gel­ten für alle Vor­ha­ben, für die der Antrag auf Plan­fest­stel­lung ab dem 02.04.2026 gestellt wird; bei zuvor bean­trag­ten Vor­ha­ben bleibt es bei der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge (§ 118 Abs. 54 EnWG n.F.). 

Unver­än­der­te Fort­gel­tung wesent­li­cher Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen der ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung im Übrigen

  • Ein­wen­dungs­fris­ten: Ein­wen­dun­gen sind nach wie vor in einer Frist von zwei Wochen nach Ablauf der Aus­le­gungs­frist zu erhe­ben (§§ 73 Abs. 4 Satz 1 VwVfG, § 43a Abs. 1 EnWG n.F.); bei UVP-pflich­ti­gen Vor­ha­ben endet die Ein­wen­dungs­frist wie bis­her einen Monat nach Ablauf der Aus­le­gungs­frist (§§ 21 Abs. 2, 18 Abs. 1 Satz 4 UVPG, 73 Abs. 3 Satz 1 VwVfG).
  • Vor­schrif­ten über das Ent­fal­len des – nach all­ge­mei­nem Plan­fest­stel­lungs­recht an und für sich obli­ga­to­ri­schen – Erör­te­rungs­ter­mins nach behörd­li­chem Ermes­sen oder in bestimm­ten Fall­grup­pen (§§ 73 Abs. 6 VwVfG, 18 Abs. 1 Satz 4 UVPG, 43a Abs. 8 u. 10 EnWG n.F. (= § 43a Satz 1 Nr. 3 u. Nr. 4 EnWG a.F.).
  • Berech­ti­gung der Anhö­rungs­be­hör­de, nach ihrem Ermes­sen einen Erör­te­rungs­ter­min durch eine sog. Online-Kon­sul­ta­ti­on oder – bei Ein­wil­li­gung der zur Teil­nah­me Berech­tig­ten – durch eine Video- oder Tele­fon­kon­fe­renz zu erset­zen (§§ 73 Abs. 6, 27c VwVfG, 43a Abs. 1 EnWG neu­er Fas­sung bzw. 43a Satz 1 EnWG a.F.). 
  • Vor­schrif­ten über die Zustel­lung und die öffent­li­che Bekannt­ga­be des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses durch Zugäng­lich­ma­chung auf der Inter­net­sei­te der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ein­schließ­lich der Bekannt­ma­chung der Zugäng­lich­ma­chung auf der Inter­net­sei­te sowie in ört­lich ein­schlä­gi­gen Tages­zei­tun­gen (§§ 74 Abs. 4 VwVfG, 43b Abs. 5 EnWG). Inso­weit ent­spricht das For­mat der Aus­le­gung und Bekannt­ga­be im bis­he­ri­gen Recht bereits dem For­mat in § 43a EnWG n.F. im Anhörungsverfahren.

Anglei­chung an den Ent­wick­lungs­stand in ande­ren Fachplanungsgesetzen

Die Novel­lie­rung von § 43a EnWG bewirkt, dass das ener­gie­wirt­schafts­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren nun­mehr in allen Ver­fah­rens­schrit­ten als genu­in digi­ta­les Ver­fah­ren gestal­tet ist. Eine Aus­nah­me bil­det der Erör­te­rungs­ter­min, bei dem die ana­lo­ge Durch­füh­rung in Prä­senz­form nach dem Ermes­sen der Anhö­rungs­be­hör­de durch digi­ta­le For­ma­te ersetzt wer­den kann. Ein­wen­der, die kein Inter­net nut­zen, kön­nen sich indes wei­ter­hin in Tages­zei­tun­gen über Bekannt­ma­chun­gen infor­mie­ren, erhal­ten die Plan­un­ter­la­gen auf Ver­lan­gen indi­vi­du­ell und haben die Mög­lich­keit, Ein­wen­dun­gen bei der Anhö­rungs­be­hör­de münd­lich vor­zu­tra­gen. Die umfas­sen­de Digi­ta­li­sie­rung des Ver­fah­rens im Sin­ne einer Umkehr des bis­he­ri­gen Regel-Aus­nah­me-Prin­zips folgt dem Pakt für Planungs‑, Geneh­mi­gungs- und Umset­zungs­be­schleu­ni­gung zwi­schen Bund und Län­dern aus dem Jahr 2023 (vgl. BT-Drs. 21/2506, S. 44). 

Zugleich bewirkt die Novel­le eine (wei­ter­rei­chen­de) Anglei­chung an das in punc­to Digi­ta­li­sie­rung vor­mals vor­an­ge­schrit­te­ne Fach­pla­nungs­recht ande­rer Infra­struk­tur­sek­to­ren. Wenn­gleich dort noch zurück­hal­ten­der als „Soll“-Regelungen aus­ge­stal­tet, gilt ein recht iden­tisch digi­ta­li­sier­tes Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach dem im Dezem­ber 2023 in Kraft getre­te­nen Gesetz zur Beschleu­ni­gung von Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren im Ver­kehrs­be­reich (BGBl. I 2023, Nr. 409) bereits für die eisen­bahn­recht­li­che, fern­stra­ßen­recht­li­che und auch die was­ser­stra­ßen­recht­li­che Plan­fest­stel­lung (vgl. auch unse­re Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 3/2024).

Ver­all­ge­mei­ne­rung nach dem aktu­el­len Ent­wurf des Infra­struk­tur-Zukunfts­ge­set­zes (InfZuG‑E)?

Als Fazit ist fest­zu­stel­len, dass das Plan­fest­stel­lungs­recht in gewich­ti­gen Infra­struk­tur­sek­to­ren zwi­schen­zeit­lich, zuletzt durch den Bau­stein § 43a EnWG n.F., ein­heit­lich eine umfas­sen­de Rege­lung und Moder­ni­sie­rung erfah­ren hat. Auch das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für den Hoch- und Höchst­span­nungs­netz­aus­bau befin­det sich nun „auf der Höhe der Zeit“. 

Gesetz­ge­bungs­tech­nisch bestehen mitt­ler­wei­le indes erheb­li­che Unter­schie­de zwi­schen dem ein­heit­li­chen sek­to­ra­len Plan­fest­stel­lungs­recht und den Vor­schrif­ten des all­ge­mei­nen Plan­fest­stel­lungs­rechts in den §§ 72 ff. VwVfG (ins­be­son­de­re Ein­bin­dung der Gemein­den in das Pro­ce­de­re der Aus­le­gung, Schrift­form­erfor­der­nis für Ein­wen­dun­gen, Inter­net­ver­öf­fent­li­chung meist als Opti­on). Daher erscheint es kon­se­quent, wenn der Gesetz­ge­ber mit dem aktu­el­len InfZuG‑E (BT-Drs. 21/4099) das Vor­ha­ben ver­folgt, die sek­to­ral in gan­zer Brei­te aus­zu­ma­chen­de Fort­ent­wick­lung und umfas­sen­de Digi­ta­li­sie­rung künf­tig in eine Neu­fas­sung des all­ge­mei­nen Plan­fest­stel­lungs­rechts im VwVfG zu gie­ßen und die sek­to­ra­len Fach­ge­set­ze kor­re­spon­die­rend zu „ent­schla­cken“ (sie­he im InfZuG‑E unter Art. 1, 4, 6 und 11). Dies dürf­te die Über­sicht­lich­keit des Plan­fest­stel­lungs­rechts zumin­dest in über­grei­fen­der Per­spek­ti­ve erhö­hen, auch wenn sich die ent­spre­chen­de Berei­ni­gung des EnWG nach dem Ent­wurf offen­bar wie­der­um als Nach­züg­ler erweist.

 Aus Grün­den der Ein­fach­heit wird hier nur das Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz des Bun­des (VwVfG) ange­ge­ben, vgl. §§ 43 Abs. 4 u. 5 EnWG.

22. April 2026

okl & partner
Rechts­an­wäl­te PartG mbB

Büro Ber­lin
Jäger­stra­ße 54 – 55 | 10117 Berlin
T: +49 (0) 30 | 25 77 112 – 0

Büro Köln
Von-Werth-Stra­ße 2 | 50670 Köln
T: +49 (0) 221 | 42 07 –0