ESG

Umset­zung der Emp­Co-Richt­li­nie in deut­sches Recht – hier: Neue Ver­bo­te von Aus­sa­gen zu Umwelt­aus­wir­kun­gen bei Kom­pen­sa­ti­on von Treibhausgasemissionen

By 18. August 2026No Comments

Die Richt­li­nie (EU) 2024/825 (sog. Emp­Co-Richt­li­nie) soll – neben wei­te­ren Zie­len – ins­be­son­de­re den Schutz von Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern vor irre­füh­ren­den Umwelt­aus­sa­gen ver­bes­sern. Der deut­sche Gesetz­ge­ber hat die Emp­Co-Richt­li­nie durch das Drit­te Gesetz zur Ände­rung des Geset­zes gegen unlau­te­ren Wett­be­werb umge­setzt, das in sei­nen wesent­li­chen Tei­len am 27.09.2026 in Kraft tre­ten wird. Ab dem 27.09.2026 wer­den unter ande­rem neue Ver­bo­te gel­ten, was Aus­sa­gen zu Umwelt­aus­wir­kun­gen bei Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen anbe­langt. Eine Über­gangs­frist gibt es nicht. Ab dem 27.09.2026 wer­den daher von einem Tag auf den ande­ren erheb­lich stren­ge­re Rege­lun­gen gel­ten. 

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gel­ten die für die gesund­heits­be­zo­ge­ne Wer­bung maß­geb­li­chen stren­gen Anfor­de­run­gen an die Rich­tig­keit, Ein­deu­tig­keit und Klar­heit der Wer­be­aus­sa­ge regel­mä­ßig auch für die Wer­bung mit Umwelt­schutz­be­grif­fen und ‑zei­chen. Der Bun­des­ge­richts­hof geht davon aus, dass sich infol­ge der all­ge­mei­nen Aner­ken­nung der Umwelt als eines wert­vol­len und schutz­be­dürf­ti­gen Guts zuneh­mend ein ver­stärk­tes Umwelt­be­wusst­sein ent­wi­ckelt hat und infol­ge­des­sen der Ver­kehr viel­fach Waren und Leis­tun­gen bevor­zugt, auf deren beson­de­re Umwelt­ver­träg­lich­keit hin­ge­wie­sen wird. Geför­dert wird ein sol­ches Kauf­ver­hal­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch durch den Umstand, dass sich Wer­be­maß­nah­men, die an den Umwelt­schutz anknüp­fen, als beson­ders geeig­net erwei­sen, emo­tio­na­le Berei­che im Men­schen anzu­spre­chen, die von der Besorg­nis um die eige­ne Gesund­heit bis zum Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für spä­te­re Gene­ra­tio­nen rei­chen. Außer­dem weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass die bewor­be­nen Pro­duk­te regel­mä­ßig nicht in jeder Bezie­hung, son­dern meist nur in Teil­be­rei­chen mehr oder weni­ger umwelt­scho­nend sind. Neben den vor­ge­nann­ten Grün­den ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch der meist nur gerin­ge sach­li­che Wis­sens­stand des brei­ten Publi­kums über die natur­wis­sen­schaft­li­chen Zusam­men­hän­ge und Wech­sel­wir­kun­gen in den Blick zu neh­men. Aus die­sen Umstän­den folgt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass im Bereich der umwelt­be­zo­ge­nen Wer­bung eine Irre­füh­rungs­ge­fahr beson­ders groß ist und ein gestei­ger­tes Auf­klä­rungs­be­dürf­nis der ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se über Bedeu­tung und Inhalt der ver­wen­de­ten Begrif­fe und Zei­chen besteht. Des­halb sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs an die zur Ver­mei­dung einer Irre­füh­rung erfor­der­li­chen auf­klä­ren­den Hin­wei­se grund­sätz­lich stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Feh­len die danach gebo­te­nen auf­klä­ren­den Hin­wei­se in der Wer­bung oder sind sie nicht deut­lich sicht­bar her­aus­ge­stellt, besteht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs in beson­ders hohem Maße die Gefahr, dass bei den ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­sen irri­ge Vor­stel­lun­gen über die Beschaf­fen­heit der ange­bo­te­nen Ware her­vor­ge­ru­fen wer­den und sie dadurch in ihrer Kauf­ent­schei­dung beein­flusst wer­den (BGH, Urteil vom 27.06.2024, I ZR 98/23, Rdnr. 24 ff.). 

Wenn ein Pro­dukt hin­sicht­lich CO2-Emis­sio­nen (nur) auf­grund von Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men neu­tra­le, ver­rin­ger­te oder posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt hat, kann eine Wer­bung, mit der sol­che neu­tra­len, ver­rin­ger­ten oder posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Pro­dukts auf die Umwelt bewor­ben wer­den, nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wett­be­werbs­recht­lich den­noch grund­sätz­lich zuläs­sig sein, sofern die vor­ge­nann­ten stren­gen Anfor­de­run­gen erfüllt wer­den, ins­be­son­de­re durch auf­klä­ren­de Hin­wei­se, die den für umwelt­be­zo­ge­ne Wer­bung gel­ten­den stren­gen Maß­stä­ben an die Rich­tig­keit, Ein­deu­tig­keit und Klar­heit von Wer­be­aus­sa­gen genü­gen. Ab dem 27.09.2026 wird das jedoch nicht mehr der Fall sein: 

Anhang I der Richt­li­nie 2005/29/EG lis­tet Geschäfts­prak­ti­ken auf, die unter allen Umstän­den als unlau­ter anzu­se­hen sind; die­se Geschäfts­prak­ti­ken sind damit aus­nahms­los ver­bo­ten. Durch die Emp­Co-Richt­li­nie wird die­ser Anhang I um neue Geschäfts­prak­ti­ken erwei­tert. Neu ein­ge­fügt wur­de dar­in (in Abs. 2 Nr. 4.c) u.a. das Ver­bot des „Treffen[s] einer Aus­sa­ge, die sich auf der Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen begrün­det und wonach ein Pro­dukt hin­sicht­lich der Treib­haus­gas­emis­sio­nen neu­tra­le, ver­rin­ger­te oder posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt hat.“ 

In Erwä­gungs­grund Nr. 12 der Emp­Co-Richt­li­nie wird zu dem vor­ge­nann­ten Ver­bot ausgeführt:

„Es ist beson­ders wich­tig, Aus­sa­gen zu ver­bie­ten, die sich auf der Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen begrün­den und wonach ein Pro­dukt, also ent­we­der eine Ware oder eine Dienst­leis­tung, hin­sicht­lich der Treib­haus­gas­emis­sio­nen neu­tra­le, ver­rin­ger­te oder posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt hat. Sol­che Aus­sa­gen soll­ten unter allen Umstän­den ver­bo­ten und in die Lis­te in Anhang I der Richt­li­nie 2005/29/EG auf­ge­nom­men wer­den, da Ver­brau­cher in die Irre geführt wer­den, indem ihnen sug­ge­riert wird, dass sich die­se Aus­sa­gen auf das Pro­dukt selbst oder auf die Bereit­stel­lung und Her­stel­lung die­ses Pro­dukts bezie­hen, oder indem bei Ver­brau­chern der fal­sche Ein­druck erweckt wird, dass der Ver­brauch die­ses Pro­dukts kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt habe. Bei­spie­le sol­cher Aus­sa­gen sind „kli­ma­neu­tral“, „zer­ti­fi­ziert“, „CO2-neu­tral“, „CO2-posi­tiv“, „mit Kli­ma­aus­gleich“, „kli­ma­scho­nend“ und „mit redu­zier­tem CO2-Fuß­ab­druck“. Sol­che Aus­sa­gen soll­ten nur zuläs­sig sein, wenn sie auf den tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen auf den Lebens­zy­klus des betref­fen­den Pro­dukts beru­hen und sich nicht auf die Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen außer­halb der Wert­schöp­fungs­ket­te des Pro­dukts bezie­hen, da Ers­te­res und Letz­te­res nicht gleich­wer­tig ist.“

Der deut­sche Gesetz­ge­ber hat die vor­ge­nann­te Richt­li­ni­en­be­stim­mung im Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG (dort in Nr. 4c.) wie folgt umge­setzt: 

„Fol­gen­de geschäft­li­che Hand­lun­gen sind gegen­über Ver­brau­chern stets unzulässig:

[…]

4c. Aus­sa­gen zu Umwelt­aus­wir­kun­gen bei Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen 

das Tref­fen einer Aus­sa­ge, die sich auf die Kom­pen­sa­ti­on von Treib­haus­gas­emis­sio­nen grün­det und nach der ein Pro­dukt hin­sicht­lich der Treib­haus­gas­emis­sio­nen neu­tra­le, ver­rin­ger­te oder posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt hat““

Ab dem 27.09.2026 sind sol­che Aus­sa­gen aus­nahms­los ver­bo­ten. Wei­ter­hin zuläs­sig sein soll gemäß Erwä­gungs­grund Nr. 12 der Emp­Co-Richt­li­nie jedoch Wer­bung, die fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt: 

„Ein sol­ches Ver­bot soll­te Unter­neh­men nicht dar­an hin­dern, für ihre Inves­ti­tio­nen in Umwelt­in­itia­ti­ven, etwa in Pro­jek­te für Emis­si­ons­gut­schrif­ten, zu wer­ben, sofern sie die­se Infor­ma­tio­nen in einer Wei­se bereit­stel­len, die nicht irre­füh­rend ist und den Anfor­de­run­gen des Uni­ons­rechts genügt.“

Da die neu­en umwelt­wer­be­recht­li­chen Rege­lun­gen ab dem 27.09.2026 gel­ten und es kei­ne Über­gangs­frist gibt, ist zu emp­feh­len, in der ver­blei­ben­den Zeit zu prü­fen, ob es recht­li­chen Hand­lungs­be­darf gibt. 

okl & partner
Rechts­an­wäl­te PartG mbB

Büro Köln
Von-Werth-Stra­ße 2 | 50670 Köln
T: +49 (0) 221 | 42 07 –0

Büro Ber­lin
Jäger­stra­ße 54 – 55 | 10117 Berlin
T: +49 (0) 30 | 25 77 112 – 0