CIRCULAR ECONOMY

Wer ist Her­stel­ler oder Erzeu­ger von Trans­port­ver­pa­ckun­gen (ein­schließ­lich Online-Handel)?

By 17. September 2026No Comments

Am 12. August ist die Ver­ord­nung 2025/40 über Ver­pa­ckun­gen und Ver­pa­ckungs­ab­fäl­le (PPWR) anwend­bar gewor­den. Gleich­zei­tig ist in Deutsch­land das Ver­pa­ckungs­recht-Durch­füh­rungs­ge­setz (Ver­packDG) in Kraft getre­ten. Damit wur­de das Ver­pa­ckungs­recht, das bis­her maß­geb­lich im Ver­pa­ckungs­ge­setz gere­gelt war, auf eine neue Grund­la­ge gestellt, die erst­ma­lig weit­ge­hend uni­ons­recht­lich har­mo­ni­siert ist. Im Inter­es­se einer ein­heit­li­chen Aus­le­gung und Anwen­dung der euro­pa­weit gel­ten­den Vor­schrif­ten hat die EU-Kom­mis­si­on zur PPWR inzwi­schen eine Leit­li­nie und FAQs ver­öf­fent­licht. Die FAQs wur­den letzt­ma­lig am 3. August 2026, nur weni­ge Tage vor dem Anwen­dungs­be­ginn der PPWR, aktua­li­siert. Seit­dem sor­gen ins­be­son­de­re in der ers­ten Ver­si­on aus dem März noch nicht ent­hal­te­ne Ant­wor­ten der EU-Kom­mis­si­on zu den Ver­ant­wort­lich­kei­ten bei Trans­port­ver­pa­ckun­gen für gro­ße Diskussionen.

Kon­kret geht es um die Fra­ge, wer bei Trans­port­ver­pa­ckun­gen Erzeu­ger und Her­stel­ler im Sin­ne des Ver­pa­ckungs­rechts ist. Die PPWR unter­schei­det strikt zwi­schen die­sen – im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch weit­ge­hend gleich­be­deu­ten­den – Begrif­fen und weist den damit bezeich­ne­ten Akteu­ren ver­schie­de­ne Pflich­ten zu. So ist der Erzeu­ger ins­be­son­de­re für die PPWR-kon­for­me Gestal­tung einer Ver­pa­ckung ver­ant­wort­lich, wäh­rend der Her­stel­ler ins­be­son­de­re die Ver­pflich­tun­gen im Zusam­men­hang mit der erwei­ter­ten Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung (EPR) erfül­len muss. Letz­te­res betrifft unter ande­rem die Betei­li­gung an einer Orga­ni­sa­ti­on für Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung, in Deutsch­land also an einem dua­len System.

Sowohl der Erzeu­ger­be­griff als auch der Her­stel­ler­be­griff sind in der PPWR näher defi­niert. Nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 PPWR ist in dem Grund­fall, dass auf einer Ver­pa­ckung weder Name noch Mar­ke des­je­ni­gen ange­bracht sind, der die Ver­pa­ckung oder das Pro­dukt ent­wi­ckeln lässt, der­je­ni­ge der Erzeu­ger, der die Ver­pa­ckung oder ein ver­pack­tes Pro­dukt her­stellt. Die kom­ple­xe­re Her­stel­ler­de­fi­ni­ti­on in Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 PPWR unter­schei­det dem­ge­gen­über zum einen zwi­schen den ver­schie­de­nen Ver­pa­ckungs­ar­ten und zum ande­ren danach, ob ein grenz­über­schrei­ten­der Sach­ver­halt vor­liegt oder nicht. Bei nicht grenz­über­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten – also dann, wenn das Inver­kehr­brin­gen einer Ver­pa­ckung oder eines ver­pack­ten Pro­duk­tes in dem Mit­glied­staat erfolgt, in dem der Inver­kehr­brin­ger auch nie­der­ge­las­sen ist – gilt nach Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 Buch­sta­be a) PPWR für Trans­port­ver­pa­ckun­gen, dass der­je­ni­ge Erzeu­ger, Impor­teur oder Ver­trei­ber der Her­stel­ler im Sin­ne der PPWR ist, der die­se Ver­pa­ckun­gen erst­mals auf dem Markt des betrof­fe­nen Mit­glied­staats bereitstellt.

Stein des Ansto­ßes für die seit Erschei­nen der neu­en Ver­si­on der FAQ zur Aus­le­gung der PPWR ist, dass die EU-Kom­mis­si­on sowohl für die Bestim­mung des Erzeu­gers einer Trans­port­ver­pa­ckung als auch für die Bestim­mung des Her­stel­lers bereits auf die unbe­füll­te Ver­pa­ckung abstel­len will. Folgt man dem, tref­fen zum Bei­spiel den Pro­du­zen­ten eines Kar­tons, der flach in Ver­kehr gebracht wird und zur Ver­wen­dung erst noch gefal­tet wer­den muss, sowohl die Erzeu­ger- als auch die Her­stel­ler­pflich­ten nach der PPWR – vor­aus­ge­setzt, der Kar­ton wird als Trans­port­ver­pa­ckung ver­wen­det und ist nicht mit dem Namen oder der Mar­ke eines ande­ren ver­se­hen. Glei­ches gilt etwa für den Pro­du­zen­ten eines Kle­be­bands „auf der Rolle“.

Mit die­ser Aus­le­gung erteilt die Kom­mis­si­on ins­be­son­de­re Über­le­gun­gen eine Absa­ge, wonach zum Bei­spiel ein als Trans­port­ver­pa­ckung ver­wen­de­ter Kar­ton sei­ne end­gül­ti­ge Gestalt erst dadurch erlangt, dass er gefal­tet und zuge­klebt wird. Intui­tiv mögen sol­che Über­le­gun­gen, die dar­auf ange­legt sind, durch eine Ver­schie­bung des Bezugs­punkts der Betrach­tung – zuge­kleb­ter und damit regel­mä­ßig befüll­ter Kar­ton statt lee­rer Kar­ton und Kle­be­band auf der Rol­le – die ver­pa­ckungs­recht­li­chen Pflich­ten auf spä­te­re Akteu­re in der Wirt­schafts­ket­te zu ver­la­gern, ein­leuch­ten. Geset­zes­sys­te­ma­tisch spricht dage­gen aller­dings, dass die Her­stel­ler­de­fi­ni­ti­on für Ver­pa­ckun­gen, die wie Trans­port­ver­pa­ckun­gen unter Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 Buch­sta­be a) PPWR fal­len, anders als bei den von Buch­sta­be b) erfass­ten Ver­pa­ckun­gen (z.B. Ver­kaufs­ver­pa­ckun­gen) gera­de nicht an das Inver­kehr­brin­gun­gen des ver­pack­ten Pro­dukts, son­dern der Ver­pa­ckung als sol­cher anknüp­fen. Die Wahl eines Bezugs­punkts, die im Ergeb­nis dar­auf hin­aus­läuft, erst die mit einem Pro­dukt befüll­te Ver­pa­ckung als Ver­pa­ckung im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 Buch­sta­be a) PPWR anzu­se­hen, wür­de somit eine im Ver­ord­nungs­text vor­ge­se­he­ne Dif­fe­ren­zie­rung nivel­lie­ren. Zumin­dest die­se Unge­reimt­heit ver­mei­det die Aus­le­gung der EU-Kommission.

Da unter den Begriff der Trans­port­ver­pa­ckun­gen nach der PPWR auch die „Ver­pa­ckun­gen für den elek­tro­ni­schen Han­del“ fal­len, die nach bis­he­ri­gem Ver­pa­ckungs­recht noch als Fall der Ver­kaufs­ver­pa­ckung anzu­se­hen waren, könn­te die Posi­tio­nie­rung der EU-Kom­mis­si­on zu weit­rei­chen­den Ver­schie­bun­gen der Ver­ant­wort­lich­kei­ten im Bereich des Online-Han­dels füh­ren. Denn die Ver­pa­ckun­gen für den elek­tro­ni­schen Han­del fal­len typi­scher­wei­se bei pri­va­ten End­ver­brau­chern als Abfall an und unter­lie­gen des­halb der Sys­tem­be­tei­li­gungs­pflicht, die vom Her­stel­ler zu erfül­len ist – und das wäre nach der Kom­mis­si­ons­auf­fas­sung eben nicht mehr der Online-Händ­ler, son­dern der Her­stel­ler des lee­ren Ver­sand­kar­tons, immer vor­aus­ge­setzt, dass weder Name noch Mar­ke des Online-Händ­lers auf dem Kar­ton in Erschei­nung tre­ten. 

Aller­dings sind die FAQ der EU-Kom­mis­si­on recht­lich nicht ver­bind­lich, sodass deut­sche Behör­den nicht ver­pflich­tet sind, der dort ver­tre­te­nen Aus­le­gung zu fol­gen. Der mit der PPWR ange­streb­ten Har­mo­ni­sie­rung des Ver­pa­ckungs­rechts in Euro­pa wür­de durch eine abwei­chen­de Aus­le­gung in Deutsch­land aller­dings ein Bären­dienst erwiesen.

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