CIRCULAR ECONOMY

Ent­wurf für Staa­ten­lis­te lässt weit­rei­chen­de Beschrän­kun­gen für inter­na­tio­na­len Sekun­där­roh­stoff­han­del erwarten

By 21. September 2026No Comments

Die neue EU-Abfall­ver­brin­gungs­ver­ord­nung 2024/1157ist bereits seit dem 21. Mai die­ses Jah­res in wei­ten Tei­len unmit­tel­bar anwend­bar und ver­bind­lich. In Bezug auf Ver­brin­gun­gen in Staa­ten außer­halb der EU (Dritt­staa­ten) gel­ten jedoch teil­wei­se wei­ter­hin Beson­der­hei­ten. So unter­lie­gen Expor­te in Dritt­staa­ten, die nicht der OECD ange­hö­ren („Nicht-OECD-Dritt­staa­ten“) noch bis zum 20. Mai 2027 dem bis­he­ri­gen Recht. Erst danach wird für sol­che Ver­brin­gun­gen das neue Rege­lungs­sys­tem anwend­bar, das auf einer neu zu schaf­fen­den Lis­te von Staa­ten, in die Aus­fuh­ren nicht gefähr­li­cher Abfäl­le aus der Uni­on zuge­las­sen sind („Staa­ten­lis­te“), beruht. Nunmehr ein ers­ter Ent­wurf der EU-Kom­mis­si­on für die­se Staa­ten­lis­te bekannt gewor­den, dessen Ver­ab­schie­dung weit­rei­chen­de Fol­gen für den inter­na­tio­na­len Sekun­där­roh­stoff­han­del hät­te. Ins­be­son­de­re sol­len danach Metall­ex­por­te in Nicht-OECD-Dritt­staa­ten außer­halb Euro­pas aus­ge­schlos­sen werden.

Mit der neu­en EU-Abfall­ver­brin­gungs­ver­ord­nung 2024/1157 will der Uni­ons­ge­setz­ge­ber unter ande­rem ille­ga­le Abfall­ver­brin­gun­gen bes­ser bekämp­fen und dafür zu sor­gen, dass Abfall­pro­ble­me nicht in Dritt­staa­ten aus­ge­la­gert wer­den. Vor allem in Bezug auf Dritt­staa­ten, die nicht der OECD ange­hö­ren, soll­te deshalb ein stren­ges Rege­lungs­re­gime geschaf­fen wer­den, um sicher­zu­stel­len, dass sol­che Abfäl­le kei­ne Schä­di­gung von Mensch und Umwelt in die­sen Staa­ten ver­ur­sa­chen. Daher haben Ver­brin­gun­gen in sol­che Dritt­staa­ten eine grund­le­gen­de Neu­re­ge­lung erfah­ren, die im Ver­gleich zum bis­he­ri­gen Recht erheb­lich restrik­ti­ver ist.

Wie bereits bis­her gilt, dass Ver­brin­gun­gen von Abfäl­len der sog. Gelben Lis­te und von gefähr­li­chen Abfäl­len ohne Aus­nah­me­mög­lich­keit ver­bo­ten sind (Art. 39 VO 2024/1157). Bei den ver­blei­ben­den Abfäl­len, ins­be­son­de­re den­je­ni­gen der sog. Grü­nen Lis­te, waren Ver­brin­gun­gen dem­ge­gen­über bis­her grund­sätz­lich zuläs­sig. Der betrof­fe­ne Dritt­staat hat­te aller­dings die Mög­lich­keit, auch sol­che Abfäl­le einem Ver­brin­gungs­ver­bot zu unter­wer­fen; zudem blieb dem Dritt­staat hin­sicht­lich der zuläs­si­gen Ver­brin­gun­gen die Wahl der anzu­wen­den­den Ver­fah­rens­art, also einem Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren oder dem Annex VII-Ver­fah­ren.Die für die ein­zel­nen Nicht-OECD-Dritt­staa­ten gel­ten­den Rege­lun­gen wur­den in der sog. Dritt­staa­ten­ver­ord­nung 1418/2007 zusammengefasst.

Ab dem 21. Mai 2027 ändert sich dies grund­le­gend. Dann wer­den auch die Abfäl­le, die nicht unter das strik­te Aus­fuhr­ver­bot des Art. 39 VO 2024/1157 fal­len, ins­be­son­de­re also grün-gelis­te­te Abfäl­le, im Aus­gangs­punkt einem Aus­fuhr­ver­bot unter­wor­fen(Art. 40 VO 2024/1157). Die­ses – zwei­te – Aus­fuhr­ver­bot lässt aller­dings Aus­nah­men zu. Vor­aus­set­zung dafür ist aber, dass der Dritt­staat von der EU-Kom­mis­si­on in einen dele­gier­ten Rechts­akt auf­ge­nom­men wird, der die­je­ni­gen Nicht-OECD-Staa­ten abschlie­ßend auf­lis­tet, in die Aus­fuh­ren zuge­las­sen wer­den. Erfolgt die Auf­nah­me in diese Staa­ten­lis­te nicht oder wird der frag­li­che Dritt­staat zwar auf­ge­nom­men, aber nicht für die Abfäl­le, die ver­bracht wer­den sol­len, bleibt die Aus­fuhr verboten.

Der wesent­li­che Unter­schied zwi­schen der bis­he­ri­gen Dritt­staa­ten­ver­ord­nung und der neu­en Staa­ten­lis­te besteht dar­in, dass die einen Dritt­staat betref­fenden Rege­lun­gennicht mehr allein von dem Wil­len die­ses Dritt­staa­tes abhängen. Denn wäh­rend die bis­he­ri­ge Dritt­staa­ten­ver­ord­nung nur die von dem Dritt­staat mit­ge­teil­te Rechts­la­ge in Bezug auf die Zuläs­sig­keit der Ver­brin­gung und das gege­be­nen­falls anzu­wen­den­de Kon­troll­ver­fah­ren wider­spie­gel­te, erfolgt die Auf­nah­me in die neue Staa­ten­lis­te erst nach einer umfas­sen­den Prü­fung der abfall­wirt­schaft­li­chen und abfall­recht­li­chen Ver­hält­nis­se in dem Dritt­staat durch die EU-Kom­mis­si­on. Die Grund­la­ge für die­se Prü­fung bil­det der von einem Dritt­staat, der in die Staa­ten­lis­te auf­ge­nom­men wer­den will, zu stel­len­de Antrag und die damit zu erbrin­gen­den Nach­wei­se. Über­zeu­gen die Nach­wei­se des Dritt­staa­tes die EU-Kom­mis­si­on nicht davon, dass in dem Dritt­staat eine umwelt­ge­rechte Abfall­be­hand­lung sicher­ge­stellt ist, wird die Auf­nah­me in die Dritt­staa­ten­lis­te abge­lehnt. Die Staa­ten­lis­te stellt somit ein neu­ge­schaf­fe­nes Kon­troll­in­stru­ment gegen­über den Nicht-OECD-Dritt­staa­ten dar.

Die EU-Kom­mis­si­on ist ver­pflich­tet, die Staa­ten­lis­te erst­ma­lig bis zum 21. Novem­ber 2026 auf­zu­stel­len. Jetzt – rund zwei Mona­te vor Ablauf die­ser Frist – ist ein ers­ter Ent­wurf bekannt gewor­den, der die Auf­nah­me von 25 der 32 antrag­stel­len­den Staa­ten vorsieht. Voll­stän­dig abge­lehnt wird danach die Auf­nah­me von El Sal­va­dor, Hong­kong, Kasach­stan, Laos, Nige­ria, Sin­ga­pur und Togo. Zudem bleibt in eini­gen Fäl­len die Lis­te der zuge­las­se­nen Abfäl­le hin­ter den von den Dritt­staa­ten gestell­ten Anträ­gen zurück.

Auf­fäl­lig ist ins­be­son­de­re, dass die EU-Kom­mis­si­on den Export von Eisen- und Nicht-Eisen­me­tal­len nur für die EU-Bei­tritts­kan­di­da­ten Mol­da­wi­en, Mon­te­ne­gro, Nord­ma­ze­do­ni­en, Ser­bi­en und die Ukrai­ne erlau­ben will. Kei­ner der ande­ren Nicht-OECD-Staa­ten, die die Zulas­sung von Metall­ab­fäl­len bean­tragt hat­ten, konn­te somit sei­ne Fähig­keit, die­se Abfäl­le umwelt­ge­recht zu ver­wer­ten, zur Zufrie­den­heit der EU-Kom­mis­si­on nach­wei­sen. Aller­dings ist die EU-Kom­mis­si­on bei der Prü­fung in Bezug auf Abfäl­le aus Eisen- und Nicht­ei­sen­me­tal­len auch von einem beson­ders stren­gen Maß­stab aus­ge­gan­gen. Zur Begrün­dung wird inso­weit auf die Mög­lich­keit des Vor­han­den­seins per­sis­ten­ter und toxi­scher Schwer­me­tal­le, die feh­len­de Abbau­bar­keit von Metal­len sowie die Ener­gie- und Che­mi­ka­li­en­in­ten­si­tät metall­ur­gi­scher Pro­zes­se ver­wie­sen.

Soll­te der jetzt bekannt gewor­de­ne Ent­wurf Bestand haben, wäre ins­be­son­de­re ein Export von Alt­me­tal­len in die bis­her wich­ti­gen asia­ti­schen Märk­te aus­ge­schlos­sen, soweit die Ziel­staa­ten nicht der OECD ange­hö­ren. Im Hin­blick auf die vor allem aus der Metall­in­dus­trie wie­der­holt an die EU-Kom­mis­si­on her­an­ge­tra­ge­ne For­de­rung nach „einer stra­te­gi­schen Auto­no­mie“ durch die Unter­bin­dung von Expor­ten stellt sich aller­dings die Fra­ge, ob dabei tat­säch­lich allein umwelt­schutz­be­zo­ge­ne Erwä­gun­gen aus­schlag­ge­bend sind oder an die­ser Stel­le der Ver­such unter­nom­men wird, die gefor­der­ten Han­dels­be­schrän­kun­gen durch die Hin­ter­tür des Abfall­ver­brin­gungs­rechts ein­zu­füh­ren. Letz­te­res dürf­te mit der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die Staa­ten­lis­te nicht zu ver­ein­ba­ren sein.

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