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BGH ver­neint vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­spruch von Pri­vat­per­so­nen zur Durch­set­zung eines vor­zei­ti­gen „Ver­bren­ner-Aus“

By 24. März 2026No Comments

Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 04/2026

Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 23. März 2026 ent­schie­den, dass Pri­vat­per­so­nen von Kraft­fahr­zeug­her­stel­lern nicht ver­lan­gen kön­nen, das Inver­kehr­brin­gen von Pkw mit Ver­bren­nungs­mo­tor vor Ablauf der durch die EU-Pkw-Emis­si­ons­ver­ord­nung (EU) 2019/631 gesetz­ten Fris­ten zu unter­las­sen (Az. VI ZR 334/23 und Az. VI ZR 365/23). Die Klä­ger hat­ten gegen die beklag­ten Kraft­fahr­zeug­her­stel­ler einen vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­spruch wegen angeb­lich dro­hen­der Beein­träch­ti­gun­gen ihres all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts gel­tend gemacht. Der Bun­des­ge­richts­hof ist der Auf­fas­sung, dass die gel­tend gemach­ten dro­hen­den Per­sön­lich­keits­rechts­be­ein­träch­ti­gun­gen nicht bestehen. Außer­dem wären die beklag­ten Kraft­fahr­zeug­her­stel­ler nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richt­hofs ohne­hin nicht als (mit­tel­ba­re) Hand­lungs­stö­rer ver­ant­wort­lich für die von den Klä­gern gel­tend gemach­ten Beeinträchtigungen.

Die Klä­ger sind Geschäfts­füh­rer der Deut­schen Umwelt­hil­fe e.V. Die Beklag­ten sind die BMW AG und Mer­ce­des-Benz AG. 

Die Klä­ger mei­nen unter Beru­fung auf den sog. Kli­ma­be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. März 2021 (Az. 1 BvR 2656/18), dass von den Beklag­ten nur noch ein bestimm­tes CO2-Bud­get ver­braucht wer­den dür­fe, damit die in dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men fest­ge­leg­ten Kli­ma­zie­le erreicht wer­den kön­nen. Durch den Ver­brauch eines zu gro­ßen Teils des ver­blei­ben­den CO2-Bud­gets wür­den die Beklag­ten rechts­wid­rig in die inter­tem­po­ra­le Dimen­si­on ihres all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts ein­grei­fen, da auf­grund des über­mä­ßi­gen Ver­brauchs die poli­ti­schen Hand­lungs­spiel­räu­me beschränkt und dadurch zwecks CO2-Reduk­ti­on spä­ter weit­rei­chen­de ein­schrän­ken­de Maß­nah­men erfor­der­lich wür­den, die ihre Frei­heits­rech­te beschrän­ken wür­den. Die Beklag­ten müss­ten für die wäh­rend der Nut­zungs­pha­se der von ihnen in Ver­kehr gebrach­ten Fahr­zeu­ge ver­ur­sach­ten Emis­sio­nen als mit­tel­ba­re Hand­lungs­stö­rer haf­ten. 

Die Klä­ger haben in ers­ter Linie bean­tragt, die Beklag­ten zu ver­ur­tei­len, es zu unter­las­sen, nach dem 31. Okto­ber 2030 neue Pkw mit Ver­bren­nungs­mo­tor in Ver­kehr zu brin­gen, sofern die­se bei ihrer Nut­zung bestimm­te Treib­haus­ga­se emit­tie­ren, und es zu unter­las­sen, bis zum 31. Okto­ber 2030 neue Pkw mit einem Ver­bren­nungs­mo­tor in Ver­kehr zu brin­gen, sofern die seit dem 01. Janu­ar 2022 durch die Beklag­ten in Ver­kehr gebrach­ten Pkw bei ihrer Nut­zung bereits in der Sum­me mehr als 604 Ton­nen CO2 (betref­fend die BMW AG) bzw. 516 Ton­nen (betref­fend die Mer­ce­des-Benz AG) emit­tie­ren. 

Die in der Vor­in­stanz mit den Kla­gen befass­ten Ober­lan­des­ge­rich­te hat­ten die Kla­gen als unbe­grün­det abge­wie­sen. Der Bun­des­ge­richt­hof hat die Revi­sio­nen der Klä­ger zuge­las­sen. In der Sache hat­ten die­se jedoch kei­nen Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass den Klä­gern die gel­tend gemach­ten vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­sprü­che aus § 1004 Abs. 1 BGB (ana­log) nicht zuste­hen. In der Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richt­hofs Nr. 054/2026 vom 23. März 2026 (die schrift­li­chen Urteils­be­grün­dun­gen sind noch nicht ver­öf­fent­licht) wer­den die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs wie folgt zusam­men­ge­fasst: 

Kei­ne dro­hen­de Beein­träch­ti­gung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts der Klä­ger: 

Der Bun­des­ge­richt­hof führt aus, dass die von den Klä­gern gel­tend gemach­ten dro­hen­den Per­sön­lich­keits­rechts­be­ein­träch­ti­gun­gen nicht dadurch vor­wir­kend aus­ge­löst wür­den, dass die den Beklag­ten zuzu­rech­nen­den CO2-Emis­sio­nen zukünf­tig zwangs­läu­fig zu einer restrik­ti­ve­ren Kli­ma­ge­setz­ge­bung und damit ein­her­ge­hen­den Frei­heits­be­schrän­kun­gen führ­ten. Eine sol­che recht­lich ver­mit­tel­te Zwangs­läu­fig­keit wür­de nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs die Vor­ga­be eines bestimm­ten CO2-Rest­bud­gets für die Beklag­ten vor­aus­set­zen. Eine sol­ches Emis­si­ons­bud­get las­se sich aus dem Pari­ser Über­ein­kom­men und dem Bun­des-Kli­ma­schutz­ge­setz jedoch nur glo­bal und für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ins­ge­samt her­lei­ten, nicht jedoch für ein­zel­ne – ins­be­son­de­re pri­vat­wirt­schaft­li­che – Akteu­re oder auch nur den Ver­kehrs­sek­tor. Dadurch unter­schie­den sich die vom Bun­des­ge­richts­hof am 23. März 2026 ent­schie­de­nen Fäl­le maß­geb­lich von der dem sog. Kli­ma­be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zugrun­de lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on, bei der der natio­na­le Gesetz­ge­ber in die Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung des bestehen­den natio­na­len Emis­si­ons­bud­gets genom­men wur­de. 

Kei­ne Stör­er­ei­gen­schaft der Beklag­ten: 

Der Bun­des­ge­richts­hof lehnt zudem eine Stö­rer­ein­gen­schaft der Beklag­ten ab. Der von den Klä­gern befürch­te­te künf­ti­ge Erlass radi­ka­ler Kli­ma­ge­set­ze lie­ße sich, sofern er erfol­gen wür­de, den Beklag­ten nicht zurech­nen. Die Beklag­ten wären inso­weit nicht als (mit­tel­ba­re) Hand­lungs­stö­rer ver­ant­wort­lich. Der EU-Gesetz­ge­ber habe mit der Pkw-Emis­si­ons­ver­ord­nung (EU) 2019/631 eine aus­drück­lich den Pari­ser Kli­ma­zie­len ver­pflich­te­te Rege­lung zum Inver­kehr­brin­gen von Pkw mit Ver­bren­nungs­mo­tor getrof­fen. Die­se und wei­te­re Rege­lun­gen wür­den von den Beklag­ten ein­ge­hal­ten. Die Beklag­ten unter­lä­gen kei­nen dar­über hin­aus­ge­hen­den Verkehrs(sicherungs)pflichten. Auch lie­ge die Ver­ant­wor­tung für die etwa­ige Not­wen­dig­keit zukünf­ti­ger Kli­ma­ge­setz­ge­bung beim Gesetz­ge­ber. Allein die Gesetz­ge­bung bie­te den geeig­ne­ten Rah­men dafür, den Kli­ma­schutz und des­sen Span­nungs­ver­hält­nis zu etwa­igen gegen­läu­fi­gen Belan­gen zu einem Aus­gleich zu brin­gen. Die Aus­hand­lung die­ses kom­ple­xen und in das euro­päi­sche und inter­na­tio­na­le Meh­re­be­nen­sys­tem ein­ge­bun­de­nen Aus­gleichs kon­f­li­gie­ren­der öko­lo­gi­scher, sozia­ler, gesell­schaft­li­cher, öko­no­mi­scher, fis­ka­li­scher und sons­ti­ger poli­ti­scher Kol­lek­tiv- und Indi­vi­du­al­in­ter­es­sen und damit die Auf­tei­lung der Emis­si­ons­ver­mei­dungs­last erfor­de­re schwie­ri­ge Abwä­gungs- und Allo­ka­ti­ons­ent­schei­dun­gen, für die dem Gesetz­ge­ber auch nach Art. 20a GG ein erheb­li­cher Gestal­tungs­spiel­raum zukom­me. Dem­ge­gen­über sei es grund­sätz­lich nicht Auf­ga­be der Gerich­te, aus der offe­nen For­mu­lie­rung des Art. 20a GG kon­kret quan­ti­fi­zier­ba­re Gren­zen der Erd­er­wär­mung und damit kor­re­spon­die­ren­der Emis­si­ons­men­gen oder Reduk­ti­ons­vor­ga­ben abzu­lei­ten. 

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