CIRCULAR ECONOMY

Aktu­el­le Infor­ma­ti­on des BMU­KN und der Län­der zum DIWASS

By 29. April 2026No Comments

Man­dan­ten­in­for­ma­ti­on 09/2026

Ab dem 21.05.2026 gilt die novel­lier­te Abfall­ver­brin­gungs­ver­ord­nung (EU) 2024/1157, die als eine wesent­li­che Neue­rung vor­sieht, dass der Aus­tausch aller für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung rele­van­ten Doku­men­te und Infor­ma­tio­nen zwi­schen Behör­den und den an der Ver­brin­gung betei­lig­ten Wirt­schafts­ak­teu­ren ab dem 21.05.2026 über ein neu geschaf­fe­nes elek­tro­ni­sches Sys­tem, das sog. Digi­tal Was­te Ship­ment Sys­tem (kurz: DIWASS) erfolgt. Nach einem aktu­el­len Infor­ma­ti­ons­schrei­ben des BMU­KN und der Län­der soll für nicht noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Ver­brin­gun­gen nach Art. 18 VO (EU) 2024/1157 jedoch bis zum 31.12.2026 eine „Über­gangs­pha­se“ gel­ten, wäh­rend der das Anhang-VII-Doku­ment wei­ter­hin in Papier­form ver­wen­det und wäh­rend der Ver­brin­gung mit­ge­führt wer­den kann.

Die Ver­ord­nung (EU) 2024/1157 über die Ver­brin­gung von Abfäl­len wird ab dem 21.05.2026 die bis­he­ri­ge Ver­ord­nung (EG) Nr. 1013/2006 über die Ver­brin­gung von Abfäl­len als zen­tra­le Rege­lung der grenz­über­schrei­ten­den Abfall­ver­brin­gung ablösen.

Eine im Ver­gleich zur VO (EG) Nr. 1013/2006 wesent­li­che Neue­rung in der VO (EU) 2024/1157 stellt die Ein­füh­rung eines elek­tro­ni­schen Ver­fah­rens für den Aus­tausch aller für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung rele­van­ten Doku­men­te und Infor­ma­tio­nen zwi­schen Behör­den und den an einer Ver­brin­gung betei­lig­ten Wirt­schafts­ak­teu­ren dar.

Ab dem 21.05.2026 müs­sen grund­sätz­lich sämt­li­che für eine grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gung rele­van­te Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te – dies gilt für das Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren gemäß Art. 5 ff. VO 2024/1157 und das Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO 2024/1157 („Grü­ne Liste“-Verfahren) glei­cher­ma­ßen – über das DIWASS elek­tro­nisch erstellt, über­mit­telt und aus­ge­tauscht wer­den. 

Auf­grund von Ver­zö­ge­run­gen bei der Ein­füh­rung des DIWASS und nach­dem sich diver­se Bran­chen­ver­bän­de sowie ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten (z. B. Öster­reich) wegen die­ser Ver­zö­ge­run­gen für eine Ver­schie­bung der Pflicht zur Nut­zung des digi­ta­len Ver­fah­rens aus­ge­spro­chen hat­ten, hat die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on den Mit­glied­staa­ten in einem Arbeits­grup­pen­tref­fen am 27.03.2026 den – recht­lich nicht ver­bind­li­chen – Vor­schlag unter­brei­tet, für nicht noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge grenz­über­schrei­ten­de Abfall­ver­brin­gun­gen, also Ver­brin­gun­gen nach dem Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157, eine Über­gangs­pha­se bis zum 31.12.2026 vor­zu­se­hen, wäh­rend der das Anhang VII-Doku­ment wei­ter­hin in Papier­form geführt und wäh­rend der Ver­brin­gung in Papier­form mit­ge­führt wer­den darf. 

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat es dabei aller­dings den Mit­glied­staa­ten über­las­sen, ob sie von der vor­ge­schla­ge­nen Über­gangs­re­ge­lung Gebrauch machen oder nicht. Infol­ge­des­sen kann es inso­fern zu unter­schied­li­chen Voll­zugs­pra­xen in den ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten der EU kommen.

Aus einem aktu­el­len Infor­ma­ti­ons­schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Kli­ma­schutz, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit (BMU­KN) und der Län­der geht nun­mehr her­vor, dass man sich in Deutsch­land dem Vor­schlag der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on anschließt. 

Für Ver­brin­gun­gen, die nach dem Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157 durch­ge­führt wer­den, gilt somit wäh­rend des Über­gangs­zeit­raums vom 21.05.2026 bis zum 31.12.2026 Folgendes:

  • das Anhang-VII-Doku­ment kann wahl­wei­se über DIWASS elek­tro­nisch erstellt und bereit­ge­stellt oder – wie bis­lang – in Papier­form erstellt und wäh­rend des Trans­ports in Papier­form mit­ge­führt werden;
  • bei Ver­wen­dung der Papier­form ist dafür das „neue“ Doku­ment gemäß Anhang VII der VO (EU) 2024/1157 zu ver­wen­den; 
  • das in Papier­form geführ­te Anhang VII-Doku­ment muss der zustän­di­gen Behör­de nicht zwei Tage vor Beginn des Trans­ports über­sen­det wer­den; 
  • für das in Papier­form geführ­te bzw. wäh­rend der Ver­brin­gung mit­ge­führ­te Anhang VII-Doku­ment gilt die fünf­jäh­ri­ge Auf­be­wah­rungs­frist des Art. 20 Abs. 2 VO (EU) 2024/1157,
  • Regis­trie­rungs­pflich­ten in DIWASS blei­ben wei­ter­hin bestehen.

Wäh­rend es in der Sache zu begrü­ßen ist, dass die betrof­fe­nen Wirt­schafts­teil­neh­mer mehr Zeit erhal­ten, um sich auf die künf­ti­ge Nut­zung des DIWASS für nicht noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Abfall­ver­brin­gun­gen ein­zu­stel­len und die­se vor­zu­be­rei­ten, ist die Her­an­ge­hens­wei­se kri­tisch zu betrach­ten. Zu beden­ken ist näm­lich, dass nicht die Rechts­pflicht zur DIWASS-Nut­zung als sol­che aus­ge­setzt wird; viel­mehr soll ledig­lich die Sank­tio­nie­rung von Ver­stö­ßen gegen die­se Pflicht wäh­rend der „Über­gangs­pha­se“ unter­blei­ben. Dies stellt nichts ande­res dar als den Ver­such, die Ver­nach­läs­si­gung von Prak­ti­ka­bi­li­täts­er­for­der­nis­sen durch den Uni­ons­ge­setz­ge­ber bei der jüngs­ten Novel­le des Abfall­ver­brin­gungs­rechts durch ein gezielt her­bei­ge­führ­tes Voll­zugs­de­fi­zit zu kompensieren.

Immer­hin: In Bezug auf den ver­wal­tungs­be­hörd­li­chen Voll­zug in Deutsch­land dürf­te nach der­zei­ti­gem Stand davon aus­zu­ge­hen sein, dass Wirt­schafts­ak­teu­re, die die Hin­wei­se im Infor­ma­ti­ons­schrei­ben befol­gen, tat­säch­lich nicht wegen der Nicht-Nut­zung von DIWASS sank­tio­niert wer­den. Ent­spre­chen­de Ord­nungs­wid­rig­keits­ver­fah­ren wer­den daher wohl nicht ein­ge­lei­tet wer­den. 

Soll­ten – wie im Refe­ren­ten­ent­wurf für die Novel­le des Umwelt­straf­rechts vor­ge­se­hen – künf­tig auch Ver­stö­ße im Anhang VII-Ver­fah­ren wie­der unter das Straf­recht fal­len, wür­de eine Straf­ver­fol­gung wohl prak­tisch dar­an schei­tern, dass die Staats­an­walt­schaf­ten im Zusam­men­hang mit Rechts­ver­stö­ßen bei der Abfall­ver­brin­gung regel­mä­ßig erst durch eine behörd­li­che Anzei­ge Kennt­nis von den rele­van­ten Vor­gän­gen erhal­ten. Man­gels recht­li­cher Bin­dungs­wir­kung des Infor­ma­ti­ons­schrei­bens des BMU­KN und der Län­der kann ein gewis­ses Rest­ri­si­ko indes nicht aus­ge­schlos­sen werden.

Wir wei­sen abschlie­ßend dar­auf hin, dass die­se Über­gangs­pha­se aus­schließ­lich für nicht noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Abfall­ver­brin­gun­gen nach dem Ver­fah­ren der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß Art. 18 VO (EU) 2024/1157 gilt. Für noti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Abfall­ver­brin­gun­gen ist daher ab dem 21.05.2026 aus­schließ­lich das DIWASS zu nutzen.

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